Von Torgauer Türmen, Schildauer Äxten und Engelsdorfer Trauben: Lok-Kicker treten alle Durchhalteparolen in die Tonne und siegen im AKS
 
Endlich, endlich, endlich!!! Mit dem 1:0-Auswärtssieg bei der Chemie-Reserve haben die Engelsdorfer bewiesen, dass sie doch noch gewinnen können. Sieben Pflichtspiele musste die Elf auf einen Sieg warten, ein mageres Pünktchen wurde in den gruseligen letzten Wochen eingefahren. Doch an diesem Mittwoch vor Ostern sollte sich das Blatt wenden. Als hätten alle Lok-Kicker den Vorbericht und die Worte des Trainergespanns förmlich eingesaugt, präsentierte man sich als kompakte Einheit, spielte endlich mal wieder zu Null und holte somit keineswegs glücklich drei Punkte gegen den Favoriten im Leutzscher Holz.
 
Taktisch agierte man äußerst clever und abgeklärt. Über fast die komplette Spielzeit wurde der Heimelf so gut wie nichts gestattet. Obwohl mit insgesamt sechs Oberliga-Akteuren angetreten, zeigten die Grün-Weißen nur sehr selten, warum sie mitten drin sind im Kampf um den Aufstieg. Lange Bälle waren an der Tagesordnung, gepflegtes Passspiel weit gefehlt. Die bestens organisierte Lok-Viererkette erledigte dabei einen super Job. P. Jacobi und Tänzer machten gegen Stelmak und Jawneh nahezu alles richtig und ließen im Zentrum nichts anbrennen. Jeder Zweikampf wurde angenommen, auch in Sachen Lufthoheit hatten die beiden Recken fast ausnahmslos das bessere Timing. Koenigs hinten rechts und Kaden links komplettierten die stärkste Vorstellung seit Monden.
 
Obwohl sich auch die Engelsdorfer auf dem holprigen Rasen spielerisch eher schwer taten, versuchten sie zumindest ab und an mal, den Ball laufen zu lassen. Möchen und Alrajab zerrten über die Außenbahnen ordentlich an den Ketten und gaben keinen Meter Preis. Torchancen sprangen jedoch auf beiden Seiten zunächst keine heraus. Am gefährlichsten wurde es nach einer doppelten Weichert-Ecke jeweils per Kopf durch John, der jedoch beide Male kein Glück hatte.
 
Auch nach dem Wechsel warfen die Mißlitz/Kühne-Mannen weiterhin alles in die Waagschale. Gefühlt 50 ruhende Bälle wurden leidenschaftlich verteidigt, jede noch so kleine Schusschance aufopferungsvoll im Keim erstickt. An vorderster Front lief sich Brandenburger die Hacken wund, im Zentrum grätschten, spielten und köpften der bärenstarke John samt Alex Jacobi und Käpt’n Weichert im Akkord. Bei zwei Kopfbällen vom Chemie-Angriffsduo wurde es brandgefährlich, mit Glück und Kittel konnten jedoch auch diese vereitelt werden.
 
Nachdem der emsige Alrajab zweimal in aussichtsreicher Position jeweils die falsche Entscheidung traf, ging sechs Minuten vorm Ende plötzlich die Post in Richtung Heimtor ab. Möchen behauptete die Kugel und spielte auf Weichert. Der Lok-Kapitän schickte Alex Jacobi durch die Schnittstelle in den Strafraum, der wiederum eiskalt und aus schwierigem Winkel die umjubelte Führung erspitzelte (84.). Sensationelle Jubel-Traube an der Eckfahne - was für eine Explosion für zuletzt arg gescholtene Lok-Kicker!
 
Die letzen Minuten ging es logischerweise nur noch in eine Richtung. Doch wie die 85 Minuten zuvor, fiel der Wuttke-Elf auch da nicht wirklich viel ein. Zwar erzwang sie nochmal die ein oder andere Ecke, Zählbares sollte jedoch nicht dabei herausspringen. Es blieb beim nicht unverdienten 1:0- Auswärtserfolg für den Gast, mit dem gleichzeitig zwei Serien rissen. Wie eingangs erwähnt, ging für die Engelsdorfer die Horrorserie von sieben Spielen ohne Dreier zu Ende. Die Chemiker verloren ihrerseits im Oktober 2018 das letzte Mal, waren beeindruckenderweise 16 Mal in Folge ohne Niederlage geblieben.
 
Somit verabschiedet sich der Squad aus dem Leipziger Osten mit einem lang ersehnten Erfolgserlebnis in ein sonniges Osterfest. In anderthalb Wochen wartet mit dem SV Tapfer - zahlreicher Zaungast beim Nachholer in Leutzsch - gleich der nächste Titelkandidat auf die Engelsdorfer. mw
 
Engelsdorf: Kittel - Koenigs, P. Jacobi, Tänzer, Kaden - John - Möchen (90.+1 Penno), Weichert (C), A. Jacobi, Alrajab (90.+3 Wolf) - Brandenburger
 
Tore: 0:1 A. Jacobi (84.)
 
Schiedsrichter: Dominic Biljesko
Assistenten: Matthias Clement, Roberto Kott
 
Zuschauer: 45

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